Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 

Webnews



http://myblog.de/brandolino

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Hallo erst mal ...

Liebe Leserinnen und Leser,

ab sofort gibt es an dieser Stelle in unregelmäßiger Folge spannende, lustige und nachdenkliche kurze Geschichten und Gedichte für junge und ältere Lesemäuse (ich mag den Ausdruck "Leseratte" nicht besonders). Die meisten davon werden hier zum ersten Mal veröffentlicht; hin und wieder werde ich aber auch bereits in Anthologien veröffentlichte Geschichten präsentieren.

Beginnen möchte ich heute mit einer bisher unveröffentlichten kleinen Erzählung, die erklärt, warum manche von uns Flöhe husten hören können ...

 

Fridolins fabelhafter Flohzirkus

Flohrentine und Flohrian waren ein glückliches, springlebendiges Flohehepaar. Sie lebten einst auf einem großen Bauernhof mit vielen Katzen und Hunden zusammen. Dort fühlten sie sich rundum wohl, hüpften von Fell zu Fell, saugten sich voll und ließen es sich schmecken. Nur ab und zu wurde es ihnen mulmig, wenn sich die Hunde mit ihren scharfen Krallen hinter den Ohren kratzten. Dann machten sich die beiden Flöhe davon und verkrochen sich im warmen Stroh. Alles war wunderschön, bis zu dem Tag, an dem Fridolins fabelhafter Flohzirkus auf dem Hof auftauchte. Zirkusdirektor Fridolin, ein bis zum Platzen vollgesaugter, fetter und alter Floh mit einem komischen Zylinder auf dem Kopf, wollte die beiden unbedingt für seinen weltbekannten Zirkus gewinnen.

"Ich mache euch berühmt!" versprach er Flohrentine und Flohrian aus vollem Mund. In Wirklichkeit aber suchte er nur genügsame, um nicht zu sagen, dumme Flöhe, die er herumkommandieren konnte und die als Akrobaten alle gefährlichen und halsbrecherische Kunststücke vorführten. Flohrentine und Flohrian fühlten sich geschmeichelt und sagten zu. Den alten Bauernhof ließen sie hinter sich und zogen fortan, in der Hoffnung bald berühmt zu sein, mit dem Flohzirkus durch Land und Wiesen. Jeden Abend hieß es von nun an "Manege frei!" Das Publikum war gespannt auf die beiden unerschrockenen Artisten. Flohrian und seine liebe Frau mussten rollenden Eiern ausweichen und die verrückten Hühner gackerten begeistert, wenn sie dabei fast erdrückt wurden. Sie mussten einen schweren Karren ziehen, an den sie mit Drahtschlingen gefesselt waren und die kräftigen Ameisen klatschten begeistert, wenn sie dabei ins Schnaufen und Stolpern kamen. Manchmal mussten sie auch über das Wasser springen und dabei sehr flink vorgehen, sonst wären sie untergegangen und ertrunken. Für die geschickten Wasserläufer vom nahen Teich war dies ein Riesenspaß, wenn sie sich daran ergötzten, wie Flohrentine und Flohrian mit letzter Kraft von einem Ufer zum anderen hüpften. Die Menge grölte auch belustigt, wenn die beiden voller Angst durch einen brennenden Reifen sprangen und sich Flohrian dabei die Hinterbeinchen an den Flammen versengte. Ein altes Glühwürmchen, Konrad war sein Name, hatte den Reifen jeden Abend unter großer Anstrengung mit seinem glühenden Hinterteil zu entzünden.

Doch selbst wenn sie ihre Sache gut gemacht hatten und die Zuschauer in Beifallsstürme ausbrachen, so hatte der böse und gierige Direktor kein lobendes Wort für sie übrig. Aber wehe, ein Kunststück ging daneben, dann zückte der grausame Fridolin seine Peitsche und schlug auf die arme Flohrentine ein. An den Hunden und Katzen, die das dankbare Publikum zum Lohn herbeilockte, saugte sich nur Fridolin satt. Seine tapferen Flöhe bekamen lediglich einen kleinen Tropfen Blut zu essen und litten Hungerqualen. Schließlich waren sie so schwach, dass keine Zirkusnummer mehr gelingen wollte und die Zuschauer buhten und schimpften.

Als eines Abends eine schlechte Vorstellung in einem fast leeren Hühnerstall zu Ende war, tobte Fridolin los: "Ihr seid zu nichts zu gebrauchen, ihr faules Flohpack!" Wie ein Verrückter hüpfte er umher. "Warum füttere ich dich eigentlich durch, du Taugenichts?" brüllte er Flohrian an. "Ich werde euch zeigen, was ein richtiger Floh ist", prahlte er dann. "Los, spannt mich vor den Karren!" befahl der fette Flohdirektor Flohrentine und ihrem Mann. "Ich werde ihn schneller ziehen als ihr ihn jemals gezogen habt!" Und so zogen die beiden Flöhe ihm die Drahtschlinge fest um den Leib. Glühwürmchen Konrad, der schon sehr müde war, zündete derweil den Reifen an. Flohrian sollte zur Strafe bis in den frühen Morgen das Durchspringen üben. Das Glühwürmchen war allerdings schon so erschöpft, dass es nicht nur den Reifen, sondern gleich den ganzen Zirkus in Brand steckte. Als Flohrentine, Flohrian und Konrad den Rauch bemerkten, flohen sie mit letzter Kraft aus dem brennenden kleinen Zirkus. Nur den fetten, bösen Fridolin ließen sie hilflos zurück. Er kam alleine nicht mehr aus der Schlinge frei. "Hilfe! So helft mir doch! Ich ersticke!" schrie er verzweifelt, während dicker Qualm den Hühnerstall einhüllte. Doch die drei Freunde überließen ihn seinem Schicksal, dankbar, ihren Peiniger endlich los zu sein.

Als der Bauer kam, um die rauchende Glut mit einem Eimer Wasser zu löschen, glaubte er, ein schwaches, krächzendes Hüsteln zu hören. Er wunderte sich sehr, da der Stall ja leer stand. Doch dann entdeckte er den fetten Fridolin, der in seiner Schlinge gefangen war und machte große Augen.

Und daher, liebe Kinder, kommt das Sprichwort, jemand hört die Flöhe husten.

ENDE

26.12.07 10:44
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung